BBRZ – MODELL: Führen auf Zeit

Die Inputgeberin war 17 Jahre Führungskraft beim Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ). In der ersten Führungsposition war sie Projektleitung, dann hatte sie die Führung über einen größeren Teil des Unternehmens. Insgesamt hat sie vier Reorganisationen mitgemacht. Als eine weitere Reorganisation anstand, wusste die Inputgeberin, sie müsste sich inhaltlich verändern innerhalb des Unternehmens anstatt das Unternehmen zu wechseln. Dafür wollte sie die bisherige Führungsposition aufgeben. Mit diesem Plan ging sie zur Geschäftsführung und hat ihr das mitgeteilt. Die Geschäftsführung reagierte positiv. Innerhalb des Unternehmens war diese Entscheidung ein kleines Erdbeben, ein Signal, dass die Veränderung angekommen ist.

Vorteile von Führung auf Zeit

In den letzten 20 Jahren sind drei Kolleginnen, die Teamleiterinnen waren, wieder in den operativen Bereich zurückgekehrt. Aus Sicht der Organisation ist es ein Gewinn, dass diese Kolleginnen und ihr Wissen nicht aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, sondern Kontinuität gewahrt blieb. Auch für die Übergabe an nachkommende Führungskräfte ist es von Vorteil, wenn die vorherigen Führungskräfte noch im Unternehmen sind. Für eine lernende Organisation tut Veränderung nicht weh – im Gegenteil. Wenn Führungskräfte wieder in den operativen Bereich zurückkehren, wissen sie was Führung ist bzw. was bestimmte Dinge für eine Führungskraft bedeuten. Das kann für die darauffolgende Zusammenarbeit positiv sein. Für die Inputgeberin selbst bedeutete die Aufgabe der Führungsposition zwar einerseits einen Gehaltsverlust, doch auch eine Verringerung der Verantwortlichkeiten und damit eine Erleichterung. Als Unterstützung empfand die Inputgeberin, dass die Geschäftsführung ihr mit Offenheit begegnet ist und gefragt hat, was sie weiter machen will.

Herausforderungen bei Führung auf Zeit

Herausfordernd war für die Inputgeberin die Frage, was die KollegInnen dachten oder denken könnten. Was sich andere denken, hängt von der Unternehmenskultur ab. Jedenfalls empfiehlt die Inputgeberin vor einer solchen potenziellen Entscheidung ein Coaching in Anspruch zu nehmen. Das helfe, die eigenen Motivationen und Ziele zu verstehen. Von einer Führungsposition zurückzutreten müsse immer eine selbstbestimmte Entscheidung sein. Hierfür braucht es von Seiten der Organisation Zurückhaltung und Support.