Amnesty International – MODELL: Jobsharing / Geteilte Führung

Seit ca. einem Jahr wird die Geschäftsführung bei Amnesty International zwischen zwei Personen geteilt. Bereits seit 2013 gibt es die Doppelgeschäftsführung laut Statuten von Amnesty International. Die zwei Geschäftsführerinnen sind jeweils 30 Wochenstunden angestellt - es gibt eine gemeinsame Emailadresse für die Geschäftsführung und eine gemeinsame Signatur. Einzelne Aufgaben sind aufgeteilt zwischen den Geschäftsführerinnen. Eine Geschäftsführerin ist beispielsweise mehr für die Kommunikation nach außen verantwortlich, die andere mehr für das Controlling und die Finanzen. Intern hat jede Person ihre Bereiche, bei denen sie Jour Fixe veranstaltet und operative Fragen laufend klärt. Wenn eine der beiden krank oder nicht anwesend ist, ist die andere Person über alle Abläufe so weit informiert, dass sie einspringen und Meetings leiten sowie alle Entscheidungen treffen kann.

Bis dato läuft dieses Modell sehr gut. Wichtig war, dass beide Personen gleich viel „Wert“ hatten, und es somit nicht zu einer „junior“-Position kommt.

Matching: Die Geschäftsführerin von AI bezeichnet das Modell als „arrangierte Ehe“: je besser man miteinander kann, umso bessere Entscheidungen können getroffen werden. Es herrscht völlige Transparenz zwischen den beiden Geschäftsführerinnen; für Konfliktfälle wurden bereits im Vorhinein worst-case-Szenarien sowie Coaches definiert, die im Falle des Falles dabei helfen würden, schwierige Prozesse zu begleiten. Vorteilhaft ist der ähnliche Führungsansatz der beiden Personen, die grundsätzlich darauf vertrauen, dass die Personen in ihrem Team eigenverantwortlich und selbständig handeln.

Zu Beginn haben sich die beiden Geschäftsführerinnen oft halbe Arbeitstage freigeschaufelt, um sich gut kennen zu lernen und herauszufinden, wo es gemeinsame Werte gibt oder mögliche Konfliktlinien bestehen. Während der ersten 3 Monate wurden alle Dinge gemeinsam durchgeführt. Gleichwertigkeit ab dem ersten Tag herzustellen war das Ziel beider Personen.

Vorteile aus Sicht der GeschäftsführerInnen

Austausch ist im Rahmen der Geschäftsführung möglich. Auch gibt es immer eine Vertretung in der Position. Das verschafft insgesamt mehr Lebensqualität für die Position der Geschäftsführung. Abendveranstaltungen und Repräsentationstätigkeiten an den Wochenenden (etwa einmal/Monat) werden nun auf zwei Personen aufgeteilt. Beide Personen sind von 9-15 Uhr im Büro, die Nachmittage werden oft nach Notwendigkeit geteilt; telefonische Erreichbarkeit ist ein „Muss“ um flexibel zu arbeiten.
Es ist oft schwierig bei Führungspositionen eine Person zu finden, die alle Qualifikationen und Anforderungen abdeckt. Mit zwei lassen sich Stellen schneller und leichter besetzen. Durch das Vertretungsmanagement kommt es auch niemals zum Stillstand.
Mit dem Modell eines job sharings ist es möglich, mehr Menschen für eine Führungsposition zu gewinnen. Damit verändert sich die Unternehmenskultur – Verantwortung und Macht wird aufgeteilt. Es bewerben sich Personen, die sich Führung vorher nicht zugetraut haben, oder Personen, die aus familiären Gründen nicht Vollzeit arbeiten können. Dies ist natürlich eine Chance für Frauen.

Herausforderungen aus Sicht der GeschäftsführerInnen

Beide müssen ein ähnliches Wertesystem, wie geführt wird, haben. Vertrauen zueinander ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung. Die Abstimmung untereinander muss klar festgelegt werden. Im Fall von Amnesty International Österreich wird auch seit einem Monat ein Desk-Sharingsystem eingeführt. Das gilt auch für die Geschäftsführung.